Die Pille für den Mann – Top oder Flop?

Die Antibabypille, oder kurz „die Pille“ genannt, war die große Errungenschaft Ende der 1960er Jahre. Während der ersten Hälfte der 1970er Jahre war sie in den westlichen und östlichen Industrienationen das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel vor ungewollten Schwangerschaften. Den damaligen Maximalwert von 32,8 Prozent Nutzerinnen im gebärfähigen Alter, erreichte die Pille nach der Lockerung der ärztlichen Verordnungspraxis (1970)  im Jahr 1976.

Wie genau funktioniert die Antibabypille? Die in der Pille enthaltenen Hormone entsprechen dem weiblichen Zyklus. Diese Hormone verhindern die Reifung der Eizelle und damit den monatlich stattfindenden Eisprung. Genauer gesagt handelt es sich bei der Pille um ein Hormonpräparat, das die weiblichen Hormone Gestagen und Östrogen in unterschiedlicher Zusammensetzung und Dosierung enthält. Bei korrekter Anwendung ist sie eines der sichersten Mittel um eine Schwangerschaft zu verhindern.

Irgendwie scheint die Verhütung damit „Frauensache“ zu sein. Das finden die einen sicher ziemlich praktisch und die anderen eher einseitig und unfair. Kondome sind zwar eine gute Alternative um auch IHN in die Verantwortung zu nehmen, aber die sind eben nicht jedermanns Sache. Wie wäre es also, wenn Verhütung nicht mehr nur Frauensache wäre?

Bald könnte es endlich einen Durchbruch in Sachen Verhütung geben! Forscher aus den USA haben einen Wirkstoff entdeckt, der die Spermienproduktion des Mannes blockiert. Die Anzahl der Spermien soll soweit sinken, dass man(n) als unfruchtbar gilt. Erste Tests an echten Kerlen waren bereits erfolgreich. Bei diesem neuen Zauber-Wirkstoff handelt es sich um 11-beta-Methyl-19-Nortestosteron- Dodecylcarbonat, kurz 11-beta-MNTDC. Die Wissenschaftler haben diesen Wirkstoff bereits auf seine Verträglichkeit und Sicherheit getestet und ihn auf dem Jahrestreffen der Endocrine Society in New Orleans vorgestellt. Derzeit arbeiten Wissenschaftler der University of Washington parallel an zwei oralen Verhütungsmitteln um die besten Wirkstoffe zu finden und die Verhütungsmedizin voranzubringen.

Noch ist aber Geduld angesagt, denn die Pille für den Mann soll erst in zehn Jahren erhältlich sein. Der neue Wunder-Wirkstoff wurde bereits an 40 Männern in einem 28-tägigen Probebelauf getestet. Das Ergebnis scheint positiv, denn es traten kaum ernsthafte Nebenwirkungen auf. Dafür ging aber die Konzentration an Testosteron bei allen Teilnehmern in den Keller. Dazu passend verspürten fünf Probanden einen Rückgang ihrer Libido. Bei zwei Männern traten Erektionsstörungen auf, die sexuelle Aktivität ging jedoch nicht zurück. Die Forscher sind mit dem Ergebnis also zufrieden. Ihr Fazit: Durch die Einnahme der Pille für den Mann kann die Spermienproduktion reduziert werden, während die Libido unverändert bleibt. Wird die Pille wieder abgesetzt, soll die Spermienproduktion normal laufen.

Wie funktioniert die „Pille für den Mann“ nun genau?
Eine Kombination von verschiedenen Hormonen soll für Unfruchtbarkeit sorgen. Das luteinisierende Hormon (LH) und das follikelstimulierende Hormon (FSH) fördern die Produktion des Hormons Testosteron. Testosteron wiederum ist für die Spermienbildung verantwortlich. Werden also die LH- und FSH-Werte mit der Pille gesenkt, werden weniger Spermien gebildet. Einziges Problem: Sinken LH- und FSH-Werte, sinkt auch das Testosteron. Und dieses ist für die männliche Lust verantwortlich. Deshalb haben die Wissenschaftler der Pille ebenfalls das Hormon Testosteron beigefügt, um eine abnehmende Libido zu verhindern.

Ob die Theorie mit der Praxis übereinstimmt und die Vorhersagen der Wissenschaftler stimmen, soll eine längere Studie herausfinden. 11-beta-MNTDC benötigt mindestens 60 bis 90 Tage, um die Spermienproduktion vollständig zu beeinflussen. Auf die große Revolution in der Empfängnisverhütung müssen Frauen und Männer also noch etwas warten.

Was sagen Männer nun aber zu dieser neuen Art der Verhütung? Die Redaktion von RTL.de hat dazu in den eigenen Reihen eine kleine Umfrage gestartet, mit unterschiedlichen Reaktionen:

"Wenn Frauen solche Hormonbomben nehmen müssen, warum wir Männer nicht auch!"

"Aus Gründen von Gleichberechtigung: Es gibt keinen objektiven Grund, der dagegen spricht. Ich würde es tun. Aber ich glaube auch, dass sich viele Männer schwer tun. Es greift dich in deiner Männlichkeit an. Obwohl das andersrum ja auch für Frauen gilt. Aber Männer hatten bisher einfach immer eine gute Ausrede, weil es medizinisch bisher ja nicht möglich war"

"Nein, ich würde es nicht machen. Ich möchte keine hormonelle Einflussnahme auf meinen Körper. Meine Frau konnte sich auch entscheiden, ob sie die Pille nimmt - oder nicht. Es gibt auch andere Wege zu verhüten."

"Ich würde es nicht ausschließen, muss aber bereits ein Schilddrüsenmedikament nehmen. Ich würde es mir gut überlegen und Pro und Contra abwägen."

Das A und O für eine hormonelle und oral eingenommene Verhütung ist natürlich die Regelmäßigkeit! Was Frau bereits verinnerlicht hat, sollte auch für den Mann möglich sein. Ob die Herren der Schöpfung aber bereit sind die Verantwortung für eine konsequente Einnahme der Pille zu übernehmen, wird sich zeigen.

Bis jetzt ist natürlich für den Endverbraucher alles graue Theorie. Aber wie sieht es in der Männerwelt aus? Wer ist wirklich bereit zur Verhütung mit der „Pille für den Mann“? Dazu hat Civey für FOCUS Online männliche User befragt, ob sie sich vorstellen können, die Pille zu nehmen. Die Meinungen sind verschieden. In der Befragung wurden die Antworten von 3043 Teilnehmern ausgewertet. Etwa die Hälfte der deutschen Männer (49,9 Prozent) kann sich vorstellen, die Pille für den Mann zu nehmen. Mehr als jeder dritte Befragte (36 Prozent) schließt eine Einnahme hingegen komplett aus. Etwa ein Viertel (14,3 Prozent) sind hingegen unschlüssig.

Die Studie zeigt einen klaren Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland. Im Westen kann die Mehrheit der Männer (51,8 Prozent) vorstellen, mit der Pille für den Mann zu verhüten (34,5 Prozent können es sich nicht vorstellen), tendieren nur 42 Prozent der Männer im Osten des Landes dazu. 40 Prozent der Ostdeutschen sind nicht dazu bereit.

Eine kleine Differenz zeigte sich auch zwischen ledigen, verheirateten, verwitweten oder geschiedenen Männern. Geschiedene Männer waren etwas häufiger bereit, ein Verhütungsmittel einzunehmen (54,5 Prozent), gegenüber verheirateten beziehungsweise verwitweten Männern (49,9 Prozent). Die geringste Bereitschaft zeigten ledige Männer mit (48,6 Prozent).

Das sind doch recht erfreuliche Ergebnisse, nicht nur für die Frauen. Die hormonelle Empfängnisverhütung der Zukunft wird also nicht mehr nur Sache der Damen sein, sondern erfordert ein ebenso hohes Maß an Eigenverantwortung  bei den Herren der Schöpfung – Gleichberechtigung auf hohem Niveau sozusagen.

Die Antibabypille der Frauen wird aber auch seit einigen Jahren kritisch gesehen. Die Pille, die viele schon seit ihrer Jugend nehmen und die ihnen neben einer schönen Haut und erträglichen Regelschmerzen, an erster Stelle eine ungewollte Schwangerschaft vom Hals hält, ist nicht mehr das große Wundermittel, was es mal in den Augen der breiten Masse war. Kritik wird laut und Frau befasst sich immer mehr mit den Nebenwirkungen dieses Hormonpräparates. Künftig sollen Depressionen und Suizidgedanken auf den Beipackzetteln der Pillen vermerkt sein. Auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) werde ein neuer entsprechender Warnhinweis aufgenommen, teilten das Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte (BfArM) und mehrere Pharmafirmen in einem vor allem an Ärzte und Apotheker gerichteten Schreiben mit. Natürlich gibt es dann auch noch die Frauen im Freundeskreis, die nach dem Absetzen der Pille darauf schwören viel ausgeglichener und lebendiger zu sein. Trotzdem nehmen rund sieben Millionen Frauen in Deutschland die Pille.

Ob auch für Männer bei der Einnahme „der Pille“ bisher unbekannte Risiken vorhanden sind, werden Langzeitstudien zeigen.

Wer aber generell nicht auf hormonelle Verhütung steht, greift einfach zum bewährten Kondom. Das gibt es in vielen verschiedenen Größen, Ausführungen und schützt neben ungewollten Schwangerschaften auch vor Geschlechtskrankheiten. Selbst der größte Gummi-Muffel muss zugeben, wie verlockend so ein Überzieher mit Geschmack für das Gegenüber sein kann und wie viel Spaß er selbst dabei haben kann.

Versüßt euch also (die recht lange) Wartezeit auf die „Pille für den Mann“ mit alternativen Verhütungsmethoden!

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